Bei Dauerregen starteten wir unsere erste Etappe von Mestre nach Lido di Jesolo.
Petrus öffnete alle Schleusen, um uns aus Mestre rauszuspülen, ein Test für unser Regen-Equipment.
Der Regen hielt an bis 11.30 Uhr, kurz danach wurden wir in unserer Fahrt durch eine Schafherde ausgebremst und nutzten diesen unfreiwilligen Halt für eine Brotzeit, denn das italienische Frühstück ist nicht unbedingt nachhaltig.
Der Besuch des Nationalen Archäologiemuseums in Altino war eingeplant, denn hier endete die Via Claudia Augusta, die uns vom Norden kommend nach Venedig führte. Die Bewohner des antiken Altino verließen im 7. Jahrhundert ihre Stadt und ließen sich im heutigen Venedig nieder.
Von Altino ging es dann nach kurzer Zeit nur noch auf der Bundesstraße weiter, da der Radweg aufgrund der anhaltenden Niederschläge leider unpassierbar wurde.
Insgesamt legten wir auf unser ersten Etappe 57 km zurück. Nicht unbedingt viel, aber Starkregen, Spritzwasser und Schlamm sorgten dafür, dass wir ziemlich verdreckt unser Hotel an der Adriaküste erreichten. Vom Balkon aus grüßte uns dann die Sonne und macht uns Hoffnung auf bessere Tage.
Eine zweistündige Führung zu den Originaldrehorten der Romanverfilmungen von Donna Leon stand heute auf dem Programm. Gott sei Dank hatten wir nicht mehr Programmpunkte im Voraus gebucht, denn es waren nur maximal 15 Grad in Venedig und es regnete immerzu, bis zu 5 Liter pro Stunde. Doch wer die Hoffnung hegt, Dauerregen würde die Touristen vom Besuch der Lagunenstadt abhalten, der irrt gewaltig. Die Souvenirhändler machten ein gutes Geschäft mit dem Verkauf von billigen Regenschirmen, der clevere Touri hatte seinen eigenen Regenponcho dabei und sorgte so für ein buntes Treiben.
Wir begannen unseren Rundgang an der Haustür zur Wohnung der Familie Brunetti, standen später vor dem Lieblings-Caféhaus des Commissario und statteten natürlich zum Schluss der Questura einen Besuch ab. Die Drehorte befanden sich meist abseits der Touristenpfade und oft wurden die Inneneinstellungen an anderen Orten gefilmt als die Außenaufnahmen.
Obwohl in vielen Sprachen übersetzt und verfilmt, Donna Leons Commissario Brunetti ist in Italien weitestgehend unbekannt. Unbekannt war uns bis dahin auch der Kaffee corretto, ein Espresso mit Grappa – sehr zu empfehlen! Bei den Rundgängen durch die Gassen der Lagunenstadt fielen uns die vielen abgedeckten Brunnenbecken auf. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dienten sie zur Trinkwasserbeschaffung. Sie waren 6m tief, der Boden ausbetoniert und mit Sand (ein natürlicher Filter) versehen. Um die Brunnen herum waren kleine Öffnungen im Fußboden, wo das Regenwasser abfließen und im Brunnen gesammelt werden konnte. Heute sind sie nicht mehr in Betrieb, da das Trinkwasser über Wasserleitungssystem zu den Abnehmern kommt.
Mit dem Fahrrad nach Venedig 15.09.2022Unser letzter Tag in Venedig sollte der Organisation der Rückreise gewidmet werden. Wir wollten erkunden, ob es möglich wäre, mit dem Fahrrad + Gepäck von Marghera über Mestre bis zum Bahnhof Venedig zu fahren. Außerdem galt es zu klären, wo und wie die Räder im Zug nach München untergebracht werden und wie die Bedingungen am Bahnhof von Venedig sich darstellen.
Zielbahnhof Santa Lucia
Nachdem wir alles abgecheckt hatten, stellten wir unsere Fahrräder im Parkhaus am Bahnhof ab und nutzten die restliche Zeit,um noch einmal durch den Norden Venedigs zu bummeln.
Parkhaus für FahrräderCannaregio
Dabei gelang es uns, die Frage zu beantworten, warum der Bahnhof Venedigs Santa Lucia heißt. Die Kirche San Geremia birgt die sterblichen Überreste der Heiligen Lucia von Syrakus, einer der am meisten verehrten Heiligen der Christenheit.
Santa Lucia
Ursprünglich befanden sich die Reliquien in der Kirche Santa Lucia , die 1861 dem Bau des Bahnhofs weichen musste , der heute ihren Namen trägt. 1955 ließ Angelö Roncalli , damals Patriarch von Venedig später Papst Johannes XXIII. , das Gesicht der Heiligen mit einer silbernen Maske bedecken, um es vor Staub zu schützen.
Reliquien der Heiligen Lucia
Mit dem Fahrrad nach Venedig zu wollen, ist äußerst schwierig. Nach dem Finden des einzigen Tunnel durch die Eisenbahnlinie galt es den sehr guten Radwegen Richtung Venezia zu folgen. Eine Baustelle erschwerte das Fortkommen , aber machte das Weiterfahren nicht unmöglich.
Hindernis
Der Radweg nach Venedig über die vier Kilometer lange Brücke war dann eine Wohltat.
Radweg nach Venezia Ponte della Libertà Freiheitsbrücke
Am Ende stand ene hervorragende Fahrradgarage für den Tagesaufenthalt. Wir wollten jedoch zum Bahnhof von Venedig und der führte noch einmal einen Kilometer weiter. Leider haben die Bauingenieure der schönen Brücke am Piazza del roma über den Canal Grande Ponte della Costituzione Brücke der Verfassung die Radfahrer, Kofferträger und Kinderwagenschieber vergessen. Ein Schönheitsfleck.
Neue Seufzerbrücke
Venedig zu erfahren ist nicht ganz einfach. Aber es lockt ja als Belohnung die schönste Stadt der Welt.
Zweiter Tag in Venedig 14.09.2022 Der Plan für unseren zweiten Venedigtag sah folgendes Programm vor – 11.00 Uhr Palaco Ducale, Brückenwanderung, Altstadtbummel und Bootsfahrt zurück zur Piazza del Roma durch den Canal Grande.
Palazo Ducale
Die Eintrittskarten hatten wir wieder vorsorglich online gebucht und konnten so an der Touristenschlange vorbei den Palast ohne lange Wartezeit betreten. Der Dogenpalast ist ein Mix aus byzantinischer, gotischer und Renaissancearchitektur. Für die Ausschmückung sorgten u.a. Künstler wie Tizian, Tintoretto und Bellini.
Senatssaal
In dem Sala del Senato debattierte der Senat mit dem Dogen über Kriege, Außenpolitik und Handel.
Blick aus der Seufzerbrücke
Die Ponte dei Sospiri, auch genannt die Seufzerbrücke, ist eine der berühmtesten Brücken der Welt. Sie verbindet den Palast mit den Kerkern. Für den Namen sorgten wohl die Seufzer der Verurteilten, beim letzten Blick auf Himmel und Meer. Sie verbindet den Palast mit den Kerkern. Für den Namen sorgten wohl die Seufzer der Verurteilten, beim letzten Blick auf Himmel und Meer.
Anselm Kiefer
Im Sala dello Scrutinio überraschte uns eine düstere und überwältigende Bilderfülle, die vom Boden bis knapp unter die goldene Kassettendecke reichte. Der Maler Anselm Kiefer lässt hier u.a. den Dogenpalast, der über Jahrhunderte das Zentrum der Macht war, in Rauch und Flammen aufgehen. Der Künstler zeigt auf 800 Quadratmetern acht großformatige Senen, die aus 15 bis 20 Leinwänden zusammengesetzt und übergreifend miteinander verbunden sind. Dabei zielt er auf die Darstellung einer allgemeinen menschlichen Tragik zwischen Pionierarbeit und Verfall, Expansion und Zerstörung und stellt uns Betrachtern ein grandioses Welttheater vor Augen. Nach der anstrengenden Tour durch den Dogenpalast standen wir wieder auf dem Markusplatz, der sich plötzlich mit Wasser füllte, das aus der Kanalisation nach oben drückte.
Landunter auf dem Markusplatz
Nach all den Eindrücken war erst einmal eine Pause in der Altstadt, in einer Gasse abseits vom Touristenrummel angesagt.
Mittagspause
Gestärkt ging es weiter durch die Altstadtviertel auf der Suche nach Fotomotiven und letzten Mitbringseln.
Überall Fotomotive
Die Rückfahrt mit dem Wasserbus Vaporetto planten wir durch den Canal Grande. Sie dauerte zwar länger als außen herum durch den Canale della Giudecca, dafür wurden uns aber wesentlich mehr Fotomotive geboten. Der Preis ist derselbe 9,50€ pro Person, man fährt aber länger und bekommt mehr zu sehen fürs Geld.
Ein Tag in der edlen Stadt Venedig 13.09.2022 „In Venedig kann man sich wunderbar treiben lassen – auf den Kanälen und durch die Gassen“ – so begann der Text in unserem Reiseführer. Wir versuchten dem Vorschlag zu folgen und hatten uns für den ersten Tag die Basilika, den Markusplatz, einen Altstadtbummel und eine Bootsfahrt vorgenommen.
Auf der Piazza San Marco
Mit dem Bus ging es in 15 Minuten zur Piazzale Roma. Von dort aus liefen wir dem Touristenstrom Richtung Markusplatz hinterher.
Überall Touristen
Wir sahen schon die Warteschlange vor der Basilika und waren froh, dass wir im voraus schon Online – Tickets gelöst hatten, zwar für 40,00€ pro Person, aber dafür konnten wir zu unserem Zeitfenster an den Menschenmassen vorbei die Basilika betreten. Die Basilika di San Marco empfängt die Besucher mit glänzenden Mosaiken – einfach atemberaubend.
Gold über Gold
Um die Eindrücke sacken zu lassen ließen wir uns wider aller Vernunft am Markusplatz nieder, um einen Eiskaffee zu genießen. Mit 17,00€ pro Eiskaffee ein teures Vergnügen, welches wir uns aber leisteten. Die Freiplätze am Markusplatz waren übersichtlich gefüllt und so hatten wir einen ungestörten Blick auf das bunte Treiben um uns herum.
Einmal hier sitzen
Entspannt bummelten wir durch die Altstadt von Venedig, vorbei an Brücken und vielen kleinen Geschäften, vor allem mit bunten Glaswaren und Masken bestückt. Das Angebot an Masken, die für den Karneval traditionell aus Pappmache, Ton oder Leder hergstellt werden, ist wahrlich überwältigend.
Überall Kanäle und Brücken
So ein ausgedehnter Stadtrundgang macht durstig und deshalb gönnten wir uns auch noch ein Erfrischungsgetränk, mit 6,00€ schon fast preiswert.
Venezia Sprizz
Um die Lagunenstadt auch mal vom Wasser aus betrachten zu können, entschieden wir uns, mit dem Wasserbus zum Bahnhof zurückzufahren, kostet nur 9,50€ pro Person und ist damit wesentlich billiger als die Fahrt mit der Gondola durch die Kanäle der Altstadt (ca. 70€ – 100 pro Person).